Brunnentage

Brunnentage sind Besinnungstage der ganz besonderen Art. Sie sind geprägt von unserer narrativen theologischen Art der Seelsorge. Unser Herzensanliegen ist es immer, dass biblische Erzählungen nicht tote Buchstaben auf dem Blatt bleiben. An einem Brunnentag möchten wir Menschen in die Welt der biblischen Erzählung begleiten, damit diese Geschichten Gottes zu einer Quelle des Lebens, eben zu einem Brunnen, werden.  Deshalb wollen wir uns an einem Brunnentag diesen Erzählungen des Glaubens so annähern, dass sie zu Orten der lebensmehrenden Begegnung zwischen unseren persönlichen Geschichten und den biblischen Geschichten werden. Denn wenn wir mit unseren persönlichen Geschichten in die Welt der biblischen Erzählung hineintreten, dann erwarten uns drei Überraschungen.

Erstens wird alles Authentische in uns bestätigt. Das überrascht uns meist, denn wir haben oft die Erfahrung gemacht, dass biblische Texte gebraucht werden, um uns zu sagen, wo es lang geht. Sie sollten uns warnen, drohen, verbessern und korrigieren, aber wir haben selten die Erwartung, dass sie uns bestätigen wollen.

Und doch ist es so, und zwar ist es das erste, was passiert wenn wir mit unseren persönlichen Geschichten in die Geschichte Gottes eintreten. Alles, was authentisch in uns ist, was wahr, gut und schön in uns ist, wird sich finden in der Erzählung Gottes. Wir sind oft beschämt über unsere Zweifel und Unsicherheiten, aber wir finden sie alle wieder in der biblischen Geschichte. Dann erst merken wir, dass Zweifel und Unsicherheiten nicht beschämend sind, sondern ein authentischer Teil eines Glaubenslebens. In den großen Erzählungen Gottes finden wir uns wieder, unsere Gefühle, unsere Ängste, unsere Fragen und unsere uralten Sehnsüchte. In den Geschichten Gottes erwarten uns jede Menge solcher überraschender Bestätigungen unserer persönlichen Geschichten.

Zweitens, wenn wir mit unserer persönlichen Geschichte in die Geschichte Gottes eintreten, dann werden neue Welten eröffnet. Unsere Horizonte werden erweitert und neue Perspektiven werden aufgezeigt. Unsere Geschichten und Lebenserfahrungen sind ernst zu nehmen und sollten immer gewürdigt werden. Gleichzeitig sind sie immer eingeschränkt und begrenzt. Oft fehlt uns die Weitsicht neuer Perspektiven, denn wir sind eingeengt in der Welt unserer Erfahrungen. Dann kann eine Geschichte Gottes uns in eine ungewohnte Weite führen. Neue Wege, neue Haltungen, neue Sichtweisen und Handlungsweisen werden uns aufgezeichnet, die ungewohnt, fremd und gewöhnungsbedürftig sind. Jedoch wirken sie befreiend und beflügelnd, denn sie eröffnen uns Möglichkeiten des Lebens, wo wir bisher keine erkannt haben. Dann machen wir die Erfahrung, die Shakespeare beschreibt, wenn Hamlet seinem Freund Horatio sagt: »Es gibt mehr Ding’ im Himmel und auf Erden, als Eure Schulweisheit sich träumt, Horatio«.

Drittens, wenn wir in der Erzählung Gottes stehen als die Menschen, die ihre eigene Geschichte mitgebracht haben, dann werden wir auch konfrontiert mit allem, was in uns nicht authentisch ist. Das ist im wahrsten und besten Sinne des Wortes eine Ent-täuschung. Die Täuschungen werden uns genommen. Wir entdecken dann eine große Lebensweisheit der Torah, nämlich, »wir sehen die Welt nicht, wie sie ist, sondern wie wir sind«! Weil das wahr ist, wollen die Geschichten Gottes uns helfen, genau zu sehen, wie wir sind und welche Auswirkung das hat auf die Art und Weise, wie wir auf die Welt schauen.

Genau aus diesen Gründen sind Brunnentage Besinnungstage der ganz besonderen Art. Durch die Kunst der Narrativen Theologie schließen sie  Quellen, auf damit wir Sorge tragen können für das, was uns auf der Seele liegt.

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»In Dürregebieten muss man neue Brunnen finden.«
Wie durch die Schönheit uns Rettung und Heil zuteil wird

Brunnentage 2017

Im Buch der Richter (1, 14-15) gibt es die Geschichte von Kaleb, seiner Tochter Achsah und ihrem Mann Othniel. Als das Volk Israel das Land in Besitz nahm, war es Kaleb möglich, seiner Tochter und seinem Schwiegersohn etwas Land zu schenken. Aber es war dürres Land und sie brauchten Wasserquellen.  Kaleb gab ihnen darum nicht nur die oberen, sondern auch die unteren Quellen. Brunnentage sind Besinnungstage, die geprägt sind von der Großzügigkeit Kalebs. Wir erschließen alle Quellen der Erzählungen Gottes, die Menschen brauchen, um die Dürregebiete ihres Lebens zu gestalten.  Und aus der Fülle dieser Erzählquellen schöpfen wir die Antworten auf die drei brennenden Fragen unserer Herzen: Wer bin ich? Warum bin ich hier? Wie sollte ich dann leben?

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Mo 16.01. schönheit und Staunen küssen sich:Gegen das fünfsternige Nichts der Verrohung
Mo 13.02. »Lasst die Schönheit, die wir lieben, das sein, was wir tun. Es gibt hunderte von Arten niederzuknien und die Erde zu küssen« (Rumi): Schönheit und die Sorge um die Schöpfung
Mo 20.03. »Öffne mir die Augen für das Wunderbare an deiner Weisung« (Ps 119, 18):
Die Schönheit der Lebensunterweisung Gottes
Mo 10.04. »Und niemand schreckt mehr auf des Nachts im Schlaf und niemand fürchtet mehr den nächsten Morgen« (Oosterhuis): Die Schönheit von Schalom
Mo 12.06. »Gewiss können wir nicht ohne Brot leben, aber es ist ebenso unmöglich, ohne Schönheit zu leben« (Dostojewski): Die heilende Wirkung der Schönheit
Mo 11.09. »Ich glaube an die Sonne, auch wenn sie nicht scheint «: Die unerwarteten Orte der Schönheit
Mo 16.10. Die Schönheit der Heiligkeit und die Heiligkeit der Schönheit
Mo 13.11. Von der Schale bis zum Kern: das wahrhaft Schöne entdecken

jeweils von 10.00–16.00 Uhr im Saal St. Marien, Vallendar | Leitung: Rosemarie Monnerjahn und Erik Riechers SAC

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„Ich sagte zum Mandelbaum, erzähl mir von Gott. Und der Mandelbaum öffnete seine Blüten.“
Wie John Shea die biblische Erzählung zum Blühen bringt

Brunnentage am Samstag 2017

Sa 06.05. Ich verlange nur, was meins ist: John Shea erzählt von Besitz und Brüdern, Söhnen und Versöhnung
  10.00–16.00 Uhr im Saal St. Marien, Vallendar | Leitung: Rosemarie Monnerjahn und Erik Riechers SAC
Sa 09.12. Der Mensch, der eine brennende Lampe war (John Shea, Staunen und Licht)
  10.00 – 16.00 Uhr im Saal St. Marien, Vallendar / Leitung: Rosemarie Monnerjahn und Erik Riechers SAC
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Brunnentage am Lebensquell

Mo 25.03. Herr, gib mir dieses Wasser: Wie fünf Fragen an einem Brunnen zum Lebensquell für uns werden können
Mo 21.10. »Schema Israel«: eine biblische Spiritualität des Zuhörens

jeweils von 10.00–16.00 Uhr im Kloster St. Dominikus, Datteln | Leitung: Rosemarie Monnerjahn, Erik Riechers SAC. Sr. Andrea OP und Sr. Josefa OP

Anmeldungen: Lebensquell Kloster St. Dominikus, Klosterstraße 7,  45711 Datteln-Meckinghoven
Telefon 02363 7286828, Email:  info@lebensquell-st-dominikus.de