»Gott liebt es nicht nur, unsere Geschichten zu hören, er liebt es,
seine eigene zu erzählen. Und, schlicht und einfach, wir sind die Geschichte, die Gott erzählt. Unsere Leben sind die Worte, die aus seinem Mund kommen.
Diese Einsicht hat die religiöse Phantasie immer angefeuert und sie weigert sich, rationalisiert oder abgetan zu werden. Die Überzeugung,
dass wir die Geschichte Gottes sind, setzt Urimpulse frei und aus einer Mischung aus Trotzigkeit, Dankbarkeit und Nachahmung erwidern wir das Kompliment. 
Wir erzählen die Geschichten Gottes.« – John Shea, Stories of God

Nächster Abschnitt

Kommt nicht vom Weg ab!

QUELLE: www.unsplash.com

Jeder Brunnentag dieses Jahres vertieft unterschiedliche Aspekte, die allesamt von großer Bedeutung sind auf dem Weg eines jeden von uns, wenn er den herausfordernden Ruf zu Abenteuer und Fülle des Lebens hört, ernst nimmt und ihm folgt.

 

Wie gehen wir um mit Etappen, die uns so vorkommen, als nähmen sie kein Ende, die eintönig sind, wo Düsternis herrscht? Im »Hobbit« von J. R. R. Tolkien wird eine solche Wegstrecke durch den »Düsterwald« der »gefährlichste Teil der abenteuerlichen Reise« genannt. Wir suchen das Licht im Dunkel, unsere ureigenen Bedürfnisse drohen uns auf Abwege zu bringen. Verfallen wir kurzfristigen Verlockungen? Geben wir gar auf? Es ist nicht verwunderlich, dass der Hobbit und die Zwerge zu Beginn dieses Teils ihres Weges einen einzigen Rat mehrfach zu hören bekommen: Kommt nicht vom Weg ab! Es gibt nur einen sicheren Durchgang durch den verräterischen Düsterwald, und das ist der Pfad, der quer durch den Wald geht. Sollte diese Sendung und dieses Abenteuer gelingen, dann müssen sie diesen Rat befolgen. Natürlich verlassen sie den Pfad und keiner ist überrascht, wenn als Folge schlechte Dinge passieren. Das ist nicht harmlos. Denn das, was dann passiert, hat die Macht, ihre Sendung, ihr großes Unterfangen, gänzlich zu sabotieren.

 

Unser Ziel zu erreichen erfordert eben, treu auf dem Weg zu bleiben – auch wenn es manchmal fast nicht auszuhalten ist, die Gleichförmigkeit der Tage uns umnebelt und das Ende im Dunkeln liegt.

 

Der Weg Jesu vom Norden Galiläas in die Hauptstadt Jerusalem erzählt uns davon. Trotz Unverständnis der Jünger, wenn er von Leiden und Sterben spricht, trotz Verlockungen, einen anderen Weg zu wählen, kommt er nicht von seinem Weg ab. Er lässt nicht ab von seiner Sendung, bleibt ihr und sich treu, gerade auch wenn es immer düsterer wird. Als das Äußerste sich anbahnt und Angst sein Herz erfüllt, nimmt er nicht den Fluchtweg über den Ölberg wie einst David auf der Flucht vor Abschalom, sondern hält die Stunde betend aus im Garten Getsemani. Vor den höchsten Autoritäten sind seine Antworten knapp und wesentlich: »Du sagst es.» Er diskutiert nicht:  Herodes »stellte ihm viele Fragen, doch Jesus gab ihm keine Antwort.« (Lk 23, 9)

 

Jeder von uns wird früher oder später oder auch mehrmals seinen Düsterwald durchschreiten müssen. Dann werden wir die Worte des Psalmisten wahrhaft verstehen: »Sende dein Licht und deine Wahrheit; sie sollen mich leiten; sie sollen mich bringen zu deinem heiligen Berg und zu deinen Wohnungen.« (Ps 43,3)

 

Im Blick auf seine dunkelsten Stunden sieht Jesus die große Gefahr der Orientierungslosigkeit der Seinen. Darum sagt er: »Nur noch kurze Zeit ist das Licht bei euch. Geht euren Weg, solange ihr das Licht habt, damit euch nicht die Finsternis überrascht! Wer in der Finsternis geht, weiß nicht, wohin er gerät. Solange ihr das Licht bei euch habt, glaubt an das Licht, damit ihr Söhne des Lichts werdet« (Joh 12,35-36)

 

Mögen wir das Licht in uns aufnehmen und bewahren.

 

Mögen wir das Ziel unseres Lebensabenteuers nicht aus dem Herzen verlieren.

 

Mögen wir als Gefährten einander an beides erinnern, damit wir nicht vom Weg abkommen, wenn es finster wird.

                       

Rosemarie Monnerjahn

Vallendar, den 18. April 2019