»Gott liebt es nicht nur, unsere Geschichten zu hören, er liebt es,
seine eigene zu erzählen. Und, schlicht und einfach, wir sind die Geschichte, die Gott erzählt. Unsere Leben sind die Worte, die aus seinem Mund kommen.
Diese Einsicht hat die religiöse Phantasie immer angefeuert und sie weigert sich, rationalisiert oder abgetan zu werden. Die Überzeugung,
dass wir die Geschichte Gottes sind, setzt Urimpulse frei und aus einer Mischung aus Trotzigkeit, Dankbarkeit und Nachahmung erwidern wir das Kompliment. 
Wir erzählen die Geschichten Gottes.« – John Shea, Stories of God

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Das Problem beim Anstarren des Himmels

 

Während sie unverwandt ihm nach zum Himmel emporschauten, siehe,

da standen zwei Männer in weißen Gewändern bei ihnen

und sagten: Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und schaut zum Himmel empor?

 Dieser Jesus, der von euch fort in den Himmel aufgenommen wurde,

 wird ebenso wiederkommen, wie ihr ihn habt zum Himmel hingehen sehen.

Apg 1, 10-11

 

Das Problem beim Anstarren des Himmels ist, dass der Hals ganz steif und starr wird. Es ist bekannt, was Gott von halsstarrigen Menschen hält (Apostelgeschichte 7, 51).

 

Das Problem beim Anstarren des Himmels ist, dass man die Boten Gottes, die neben einem stehen, übersieht. Es ist leichtsinnig, die Engel zu ignorieren. Sie sind in dieser Hinsicht ziemlich empfindlich.

 

Das Problem beim Anstarren des Himmels ist, dass es dich zum Stillstand bringt. Wenn man bedenkt, wie sehr der Meister es liebte, »geh« zu sagen, dass wir unsere Bahren nehmen und gehen, dass wir gehen und nicht mehr sündigen sollten, dass wir nach Hause gehen und in Frieden gehen, kann man sich vorstellen, dass der Stillstand ihm nicht so gut gefällt.

 

Das Problem beim Anstarren des Himmels ist, dass wir den Rücken des von uns so geliebten Gottessohns sehen werden. Er lehrte uns jedoch, dass Gott es vorzieht, dass wir sein Angesicht suchen (Ps. 27, 8).

 

Das Problem beim Anstarren des Himmels ist, dass wir am Ende dem hinterherstarren, was uns fehlt und nicht mehr da ist. Während wir das tun, sehen wir nicht mehr, was da ist, weil wir fehlen.

 

Das Problem beim Anstarren des Himmels ist, dass Sie auf den Ort schauen, für den Gott verantwortlich ist, und dabei die Orte ignorieren, für die Gott Sie verantwortlich gemacht hat. Diese Orte erstrecken sich zufällig bis zu den Grenzen der Erde.

 

Das Problem beim Anstarren des Himmels ist, dass man bestenfalls die Wolken zählen kann. Unser Gott zählt die Tränen, sammelt sie in seiner Flasche und schreibt sie alle in sein Buch (Ps 56,8). Er weiß und kümmert sich um das, was auf seiner Erde geschieht. Er möchte, dass wir unseren Blick anders ausrichten und wie er klar, liebevoll und sehnsüchtig auf seine Erde schauen.

 

Gott blickt in die entgegengesetzte Richtung, vom Himmel auf die Erde. Das ist das Problem beim Anstarren des Himmels.

 

Erik Riechers SAC

Fulda, den 26. Mai 2022