»Gott liebt es nicht nur, unsere Geschichten zu hören, er liebt es,
seine eigene zu erzählen. Und, schlicht und einfach, wir sind die Geschichte, die Gott erzählt. Unsere Leben sind die Worte, die aus seinem Mund kommen.
Diese Einsicht hat die religiöse Phantasie immer angefeuert und sie weigert sich, rationalisiert oder abgetan zu werden. Die Überzeugung,
dass wir die Geschichte Gottes sind, setzt Urimpulse frei und aus einer Mischung aus Trotzigkeit, Dankbarkeit und Nachahmung erwidern wir das Kompliment. 
Wir erzählen die Geschichten Gottes.« – John Shea, Stories of God

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Wie leuchtet der Name Maria in uns?

Vielleicht summte sie gerade leise vertraute Lieder

oder schälte Kartoffeln im gewöhnlichen Raum,

im besten Fall beides zugleich.

Alltäglichkeit eben, gewohnt und bekannt.

Da hinein kam der Einfall.

Wie denn auch sonst?

Sie erschrak und stürzte fast um,

huldvolle Worte, einer Königin gleich,

dringen, wie von weit her, an ihr Ohr.

Wusste dieser

von ihrem drängenden Sehnen,

ihrem fast unverschämten Wunsch:

diese Welt könnte anders sein?

Ihr geriet durcheinander Herz und Verstand,

doch sie stellte die Frage:

Wie soll das geschehen?

Die Antwort des Boten

erreichte sie ganz,

es gab kein Zurück.

Gott überlebte den Einfall.

Sie bricht auf,

sucht auf die Gefährtin.

Sie fühlt sich erkannt -

und stimmt mit bebender Stimme

ihr Revolutionslied

für kommende Generationen

und für uns heute an.

 

 

»Hört, Despoten aller Zeiten und eure Trabanten:

Warum rast und tobst du, ganze Völker geißelnd?

Möge es weltweit klingen, dieses Lied, gegen eure Furien des Unrechts,

gegen euren zynischen Hohn und Verachtung, für das Menschenkind und seinen Gott.

Der Gott dieses Menschenkindes schaudert und weint in seinem Himmel.

Dann brüllt Er, schüttelt seine Mähne und springt - unsichtbar vor Licht

steigt Er in ein Menschenherz hinab:

Du mein Hirte, mein Löwe, du sollst meine Lämmer weiden,

ihre Wunden waschen und salben, um mein Weltall zu hüten, habe ich dich heute erweckt.

Möge es ein Zimmermannssohn, ein Zöllner, ein Zeltmacher sein,

eine Königin oder eine Putzfrau,

denen Er seine Leidenschaft einhaucht, seine zarte Kraft des Erbarmens.

Sie sind voller Furcht. Doch sie gehen - ihr Weg ist die ganze Erde.

Bis überall, wo noch höchste Mächte, Menschen zerschlagen wie irdene Krüge.

Weh euch, Trabanten, bestechliche Richter, weh euch, Despoten, seid gewarnt.

Was für eine Welt wollt ihr für eure Kinder - diese?«

Psalm 2 nach Huub Oosterhuis

 

Sylvia Ditt                                                       

Koblenz, 1. Dezember 2022