Unser Thema 2020

»Die Erde ist unser Ursprung und unser Ziel. Die uralten Rhythmen der Erde haben sich behutsam mit den Rhythmen des menschlichen Herzens verwoben.« 

 

John O’Donohue, »Vom Reichtum des Lebens«

 

Es gibt kaum ein Symbol der Verwobenheit so aussagekräftig wie der keltische Knoten. Ein Strand ist untrennbar mit einem anderen verwoben. Damit drückten die keltischen Christen ihre tiefe Überzeugung aus, dass alles im Himmel und auf der Erde verwoben ist, das Menschliche und das Göttliche, die Finsternis und das Licht, das Sichtbar und das Unsichtbare. Eine Trennung der physischen Welt von der Welt des Geistes war für sie undenkbar. Ihre gälische Sprache drückt es aus in dem kleinen Wort »fighte fuaighte« (ineinander und durcheinander gewoben). Und John O’Donohue hat es mehrfach betont in seinen Büchern. »Die ewige und die sterbliche Welt liegen nicht ´nebeneinander`, sie sind vielmehr miteinander verschmolzen.«  ( Anam cara, S. 113)

 

Wir spüren sehr wenig von dieser Verwobenheit in unserer Welt. Die Spezialisierung in der Bildung und in der Arbeit macht uns zu Experten in speziellen Bereichen des Lebens, ohne eine Verbindung zu den anderen Teilen des Lebens. Individualismus zerschneidet die Verwobenheit der Beziehungen zu anderen Menschen. Übertriebene Privatsphäre löst die Verwobenheit mit den vielfältigen Sorgen und  Anliegen, die in anderen menschlichen Herzen pochen. Soziale Kommunikationsmittel vermehren den Inhalt des Ausgetauschten, während sie gleichzeitig die Menschen isolieren und anonymisieren.

 

Die Verwobenheit allen Lebens ist der keltische Knoten des Siebenquell-Programms für 2020. In einer Welt der stetig wachsenden Isolation stellen wir uns die Frage: Was machen wir mit all den Themen, die nur zu lösen sind, wenn wir unsere Verwobenheit reklamieren und ausleben? Klimawandel, Flüchtlingskrise, Terrorattacken, Hungersnot, Verbrechen gegen die Menschheit, Genozid, und viele andere Themen der Weltbühne können nicht gelöst werden ohne diese Verwobenheit wiederherzustellen. Auf der persönlichen Ebene werden wir Depression, Vereinsamung, Behinderungen, Orientierungslosigkeit und Zukunftsperspektiven nicht heilen können, wenn wir darauf bestehen, in Isolation voneinander zu leben. So wollen wir die Geschichten Gottes in Bein und Blut verweben, dass sie uns neue Welten eröffnen, in denen wir ungesehene Horizonte, unversuchte Möglichkeiten und unbetretene Wege entdecken. Und wir wollen die Geschichten des Glaubens in die Kett- und Schussfäden des Bildteppichs unseres Lebens weben, damit wir diese neu eröffneten Welten nach ihren Konstellationen navigieren können.