Funkenversprüher

Der Erzähler, der Hörer und die Geschichte

Ein lebenspendender Umgang mit einer Geschichte ist ein eleganter Tanz zwischen dem Erzähler, dem Hörer und der Geschichte. Zuerst brauchen wir einen Erzähler. Seine Aufgabe ist es, eine Einladung auszusprechen in der Form einer Geschichte.

Dann brauchen wir den Hörer der Geschichte. Seine Empfänglichkeit verwandelt die Geschichte von einer Einladung zu einer Begegnung.

Wenn allerdings der Hörer dann beginnt, die Erzählung auszulegen, dann entfaltet sich die Begegnung und ein Gespräch entsteht.

Gott schenkt uns viele Einladungen in seinen Erzählungen. Und wenn wir uns auf die Geschichten Gottes und des Glaubens einlassen, dann kommt es zu einer Begegnung mit Gott. Aber um ins Gespräch mit dem Text, mit der Geschichte, zu kommen, müssen wir den Text auslegen und deuten. Die Bereitschaft, eine Geschichte auszulegen ist nichts weniger als unsere Gesprächsbereitschaft vor Gott.

Die Gefahr des verarmten Gespräches

Der babylonische Talmud schenkt uns ein sagenhaftes Bild für die Möglichkeiten der Auslegung eines Textes. Da heißt es: wenn ein Hammer auf den Stein schlägt, gibt es 70 Funken. Wenn der Mensch auf den Text schlägt, gibt es 70 Funken der Auslegung. Diese 70 Funken repräsentieren nicht nur die vielen Ebenen, auf denen man eine Geschichte Gottes auslegen kann, sondern zugleich die reiche Vielfalt an Möglichkeiten, mit Gott und seiner Erzählung ins Gespräch zu kommen.

Heute kennen wir auf fast allen Ebenen des Erzählens (nicht nur in der biblischen Erzählung) eine tragische Verarmung des Gesprächs. Die Oberfläche reicht, die Tiefe wird vermieden, und die Bereitschaft, das Leben zu deuten und auszulegen, vernachlässigt. Balthasar Fischer schrieb vor Jahren ein Buch über die Gesten, Rituale und Symbole der katholischen Liturgie mit dem Titel »Von der Schale bis zum Kern«. Er tat es, um einem verarmten und oberflächlichen Verständnis der Liturgie entgegen zu steuern.

 

Ein Angebot der Fülle

Funkenversprüher ist unser jährliches Angebot, die vielfältigen Möglichkeiten zurück zu gewinnen, um mit der Weite, der Tiefe und dem Reichtum der biblischen Erzählung ins Gespräch zu kommen. Durch visuelle, bibliodramatische, erzählerische, literarische und künstlerische Ansätze wollen wir Menschen einladen, das Feuer zu suchen, wo bisher nur Asche vermutet wird. Wir wollen gemeinsam und kreativ die 70 Funken suchen, aufdecken und anfachen, damit wir nicht schweigend und sprachlos bleiben, wo reges, aufregendes Gespräch uns beleben könnte. Wir laden Sie herzlich dazu ein, denn warum sollten wir kalt und erfroren zurückbleiben, wenn wir lernen können, Funken zu versprühen?