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Wonach suchen Sie?

»Gott liebt es nicht nur, unsere Geschichten zu hören, er liebt es,
seine eigene zu erzählen. Und, schlicht und einfach, wir sind die Geschichte, die Gott erzählt. Unsere Leben sind die Worte, die aus seinem Mund kommen.
Diese Einsicht hat die religiöse Phantasie immer angefeuert und sie weigert sich, rationalisiert oder abgetan zu werden. Die Überzeugung,
dass wir die Geschichte Gottes sind, setzt Urimpulse frei und aus einer Mischung aus Trotzigkeit, Dankbarkeit und Nachahmung erwidern wir das Kompliment. 
Wir erzählen die Geschichten Gottes.« – John Shea, Stories of God

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Österlicher Impuls

Der Segen des Gehens

Quelle: R. Monnerjahn 2014

»Mein Vater war Maurer. Als Kind habe ich oft dabei zusehen können, wie mit Hilfe seiner Arbeit ein Haus entsteht, langsam, geduldig, Stein auf Stein, und am Ende solide gebaut. Vielleicht ist das keine schlechte Erfahrung für einen Bischof. Die Kirche ist ein Haus aus lebendigen Steinen, es braucht Geduld, einen Plan, Sorgfalt. Am Ende steht ein Haus, das man bewohnen kann. Papst Franziskus erinnert uns dann aber auch daran, dass wir Christus nicht in unsere schönen Häuser einschließen dürfen. So wichtig ein Haus, eine Heimat im Glauben ist, werden wir uns doch auf die Straßen begeben müssen, um Menschen zu begegnen, und für sie da zu sein. Ich bin gespannt, wie uns das gelingt.«

Dies sagte Prof. Dr. Peter Kohlgraf am 18. April 2017 im Mainzer Dom, gerade zum neuen Bischof von Mainz ernannt, und er hat Recht. Bei aller Bedeutung von Haus und einer Heimat im Glauben – wir gehören hinaus auf die Straße zu den Menschen. Sich auf die Straße zu begeben ist doch ein Kennzeichen für uns Christen von Anfang an. Jesus lebte so!  Er ging nach seiner Taufe nach Galiläa und verkündete das Evangelium; er zog durch ganz Galiläa; er machte sich auf den Weg nach Jerusalem – immer ist von Gehen und Weiterziehen die Rede. Einmal sagte er einem, der ihm nachfolgen wollte: »Die Füchse haben ihre Höhlen und die Vögel ihre Nester; der Menschensohn aber hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann.« (Lk 9, 58)

Im Laufe unseres Lebens sind wir oft versucht, uns ins Haus zurückzuziehen auf Kosten des Weges. Aber wir sind alle unterwegs in diesem Leben und nie fertig. Wenn wir dies meinen, werden wir oft eines Besseren belehrt. Wir richten uns gern ein: äußerlich in Wohnungen und Häusern, in die wir oft sehr viel Geld, Zeit und Kraft investieren, als wären sie unsere Lebensziel und –inhalt; in Freundes- oder Hobbykreise, die Jahrzehnte in derselben Form bestehen und sich manches Mal sogar dessen rühmen. Wir kennen auch das innerliche Einrichten in Denkweisen und Haltungen, die wir nicht aufgeben. Wir können uns in unserem Leid einrichten wie etwa eine Frau, deren Mann fast 80-jährig vor fast 5 Jahren starb und die ich seither nie wieder mit einem Lächeln sah, nur in sich eingeschlossen pendelnd zwischen ihrem Haus neben dem Friedhof und dem Grab. Die Vernachlässigung des Weges, des Weitergehens, hat immer ihren Preis.

Das hätte den Emmausjüngern auch blühen können. Das Aufbrechen aber rettete sie. Denn der mitgehende geheimnisvolle Fremde zeigt sich ihnen schrittweise als der, mit dem sie jahrelang unterwegs waren. Sie lassen sich bewegen – gehend, redend, in ihren Herzen, im Teilen – und sind dann gleich wieder auf dem Weg zu den Freunden in Jerusalem. 

Unterwegs zu sein wird so sehr zum Kennzeichen der jungen Kirche, dass die ersten Christen Menschen des Weges genannt werden.

Peter Kohlgraf hat Recht. »So wichtig ein Haus, eine Heimat im Glauben ist, werden wir uns doch auf die Straßen begeben müssen, um Menschen zu begegnen, und für sie da zu sein.« Es ist gut und wichtig, ein Zuhause, eine Bleibe zu haben. Doch bleibt unser Leben eine Pilgerschaft. Seien wir allem Absichern und Sich-Einrichten gegenüber wachsam. Leben – das erzählen uns alle österlichen Erfahrungen - heißt in Bewegung sein, bewegt sein, weitergehen – bis zum letzten Atemzug.

Rosemarie Monnerjahn

26. April 2017, Vallendar